„Mein Auge ist das mobile Röntgengerät“

Susanne Atug, die Chefärztin der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie, führt minimalinvasive Operationen an der Wirbelsäule durch – moderne digitale Technik verkürzt die Dauer der OP

An der Wirbelsäule eines Skeletts zeigt Susanne Atug, die Chefärztin der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Marienhaus Klinikum Eifel, in welchem Winkel sie die Schrauben zur Stabilisierung in den Wirbelkörper einfügt.

21.04.2022

Bitburg. Es ist eine ganz besonders schonendes minimalinvasives Verfahren, das Susanne Atug, die Chefärztin der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie am Marienhaus Klinikum Eifel, zur Langstreckenstabilisierung der Wirbelsäule anbietet. Damit hilft sie Patientinnen und Patienten, die unter einem Bruch der Wirbelsäule leiden oder deren Wirbelkörper durch Osteoporose oder Tumore so brüchig und instabil geworden sind, dass sie starke Schmerzen verursachen. Häufig seien es ältere Menschen, denen deshalb sogar unter Umständen eine Querschnittslähmung droht, „die wir mit dieser Langstreckenstabilisierung verhindern können“, sagt Susanne Atug. Dafür nutzt sie ein Schrauben-Stab-System, das sie mit Hilfe eines hochmodernes Verfahren minimalinvasiv über vier kleine Hautschnitte rechts und links der Wirbelsäule einführt. Während der Operation nutzt sie zusätzlich ein iPad, das mit einer speziellen Software die genaue Form der beiden Stäbe berechnet, damit diese optimal an die Wirbelsäule des Patienten angepasst werden können.

 

„Mit dem Verfahren können wir mehrere Wirbel stabilisieren“, sagt Susanne Atug. Dazu setzt sie in den ersten gesunden Wirbel oberhalb und unterhalb der brüchigen oder verletzen Wirbelkörper jeweils rechts und links eine spezielle Titanschraube ein. „Ich muss die Schrauben perfekt platzieren, denn ich habe für sie nur eine kleine Stelle von etwa acht Millimetern Durchmesser zur Verfügung“, erklärt die Chefärztin. Damit sie diese Stelle exakt trifft, führt sie zuerst durch die kleinen Hautschnitte je einen dünnen Zieldraht in die Wirbelkörper ein. Den Sitz der Drähte kontrolliert sie mit einem mobilen Röntgengerät. „Das ist bei diesem minimalinvasiven Verfahren mein Auge, denn durch die Hautschnitte kann ich die Wirbelsäule nicht sehen“, sagt sie.

 

Sind die Zieldrähte richtig positioniert, schiebt Susanne Atug darüber eine Kunststoffhülse, mit der sie die Muskulatur zur Seite drängt, die rechts und links am Wirbelkörper verläuft. Durch diese Hülsen kann sie millimetergenau die Schrauben in den gesunden Wirbel drehen. Diese Schrauben sind hohl und haben an ihrem unteren Ende zwei kleine Öffnungen. „Habe ich einen Patienten oder eine Patientin mit starker Osteoporose, dann kann ich durch diese Löcher Knochenzement in den Wirbelkörper einfüllen und damit für zusätzliche Stabilität sorgen“, erläutert Susanne Atug.

 

Die Schrauben haben einen beweglichen offenen tulpenförmigen Kopf. Dort können die beiden Stäbe, die rechts und links der Wirbelsäule verlaufen sollen, jeweils oben und unten eingefügt werden. Dafür ist es jedoch notwendig, dass die beiden bis zu 20 Zentimeter langen Stäbe – auch sie bestehen aus Titan – genau der individuellen Form der Wirbelsäule angepasst werden.

 

Dafür nutzt Susanne Atug die digitale Unterstützung eines iPads und einer speziellen Software. „Mit der Kamera des Tablets scanne ich das gesamte Operationsfeld“, erklärt sie. Die Software berechnet anschließend die exakte dreidimensionale Form der beiden Stäbe und stellt sie in Echtgröße auf dem iPad dar. „Danach kann ich die Stäbe mit Hilfe einer Biegepresse formen und optimal an die individuellen Gegebenheiten anpassen“, sagt sie. Das erspart ein langwieriges Anpassen der Stäbe und verkürzt so die Dauer der Operation und der Narkose. Davon profitieren vor allem die älteren Patientinnen und Patienten.  

 

Anschließend führt sie die geformten Stäbe jeweils rechts und links der Wirbelsäule unter dem Bindegewebe und der Muskulatur ein. Die Enden werden in die Schraubenköpfe eingelegt und mit Madenschrauben fixiert.

 

Nach der Operation können die Patientinnen und Patienten direkt aufstehen. „Das ist vor allem für ältere Menschen wichtig, damit sie ihre Mobilität behalten“, sagt Susanne Atug. „Sie haben nach dem Eingriff deutlich weniger Schmerzen und gewinnen ihre Lebensqualität zurück.“

 

 

 

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