Gerolstein/Birkenfeld. Das Marienhaus Klinikum Eifel geht einen wichtigen Schritt, um die Gesundheitsversorgung in der Region langfristig zu stärken: Ab dem kommenden Ausbildungsjahr kooperiert der Standort Gerolstein mit der Bildungsstätte für Sozialwesen der Elisabeth-Stiftung in Birkenfeld/Nahe. Das Klinikum bietet dabei eine Vergütung, die in diesem rein schulischen Werdegang, der durch Fachpraktika ergänzt wird, unüblich ist.
Großer Ergotherapie-Bedarf in der Psychiatrie
In der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Marienhaus Klinikums Eifel Gerolstein ist der Bedarf an qualifizierten Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten groß. Ergotherapie spielt gerade im psychiatrischen Umfeld eine zentrale Rolle: Sie hilft Patientinnen und Patienten dabei, im Rahmen gestalterischer Tätigkeiten Gefühle, Frustrationen und Verhaltensmuster zu erkennen und neue Lösungsstrategien zu entwickeln.
Ergotherapie schafft neue Denk-Perspektiven für Patientinnen und Patienten
Nanette Sell, Ergotherapeutin in Gerolstein erklärt: “Ein Beispiel ist eine einfache Laubsägearbeit: Was passiert, wenn etwas nicht gelingt und Wut entsteht? Warum entsteht dieses Gefühl – und wie lässt sich besser damit umgehen? Die Lösungsstrategien, die Patientinnen und Patienten in der Therapie entwickeln, übertragen sich auf ihren Alltag. Ergotherapie fördert Selbstwirksamkeit und neue Perspektiven.“
Nachwuchskräfte in der Eifel fehlen
Da es in der Region keine eigene Ausbildungseinrichtung für Ergotherapie gibt, haben viele junge Menschen die Eifel als Arbeitsort gar nicht auf dem Radar. Genau hier setzt die neue Kooperation an. Marie-Luise Kießig, Kaufmännische Direktorin des Klinikums, betont: „Wir möchten junge Menschen nach Gerolstein locken – mit einer hochwertigen Ausbildung und der Möglichkeit, direkt in einer tollen Region anzukommen.“
Nicht üblich: Klinikum bietet Ausbildungsvergütung für Ergotherapie
Die Ausbildung zur Ergotherapeutin beziehungsweise zum Ergotherapeuten ist bundesweit eine rein schulische Ausbildung – und oft sogar mit Schulgeld verbunden. Das Klinikum Gerolstein geht bewusst einen anderen Weg und finanziert eine Ausbildungsvergütung dafür, dass die Fachpraktika dort abgeleistet werden.
Kießig sagt dazu: „Es ist ein Ausbildungsberuf, zu dem finanziell besser gestellte Menschen einen leichteren Zugang haben als andere. Dieser Beruf trägt aber erheblich dazu bei, dass es Patientinnen und Patienten besser geht. Deshalb ist es uns sehr wichtig, diese Ausbildung durch eine Vergütung wertzuschätzen, was heute in diesem Bereich kaum verbreitet ist.“
Aktuell ist für Gerolstein zunächst ein Ausbildungsplatz pro Jahr vorgesehen – mit klarer Perspektive auf Ausbau.
Kooperierende Schule in Birkenfeld/Nahe
Die Ergotherapieschule an der Bildungsstätte für Sozialwesen der Elisabeth-Stiftung gehört zu den ältesten in Rheinland-Pfalz. Die Ausbildung besteht dort seit 1978. Ein besonderes Plus: Das benachbarte Krankenhaus, das ebenfalls zur Elisabeth-Stiftung gehört, ermöglicht den Schülerinnen und Schülern bereits frühzeitig intensive Praxiserfahrungen.
Schulleiterin Christine Tholey-Martens erklärt: „Unser Standort im ländlichen Raum ist ein echter Vorteil: Wohnraum ist bezahlbar, man findet schnell Anschluss, und unser Wohnheim hat genügend Kapazitäten zu sehr günstigen Konditionen. Wir sehen seit Jahren: Durch Kooperationen mit Ausbildungsvergütung steigen die Bewerberzahlen deutlich.“
Nach dem ersten Ausbildungsjahr besteht zudem die Möglichkeit, parallel ein duales Studium (B.Sc.) aufzunehmen – in Kooperation mit der Fachhochschule Trier
Auszubildende klärt über besondere Skills für den Bereich Psychiatrie auf
Ein Beispiel für den Weg in die Ergotherapie ist Celine Willems (21) aus der Eifel. Sie befindet sich im zweiten Ausbildungsjahr an der Elisabeth-Stiftung und absolviert ein duales Studium. Ihr Fachpraktikum absolvierte sie in der psychiatrischen Klinik Gerolstein: „Ich wurde in Gerolstein sehr herzlich empfangen. Die Arbeit im Team ist familiär, und ich konnte viel lernen“, sagt sie. Für die Arbeit in der Psychiatrie nennt sie wichtige Fähigkeiten: „Man muss sich gegenüber Patientinnen und Patienten auch mal durchsetzen können, Grenzen setzen und gleichzeitig einen Rahmen bieten. Außerdem ist Freude an kreativer Arbeit ein großer Vorteil.“
Weitere Informationen für Interessierte Bewerberinnen und Bewerber gibt es unter www.e-s-b.org/bildungsstaette-fuer-sozialwesen/ sowie direkt von den Praxisanleitungen Aga Sesterhenn oder Nanette Sell unter 06591/17-954.
Bildunterzeile:
Von links: Michaela Lindemann, Krankenhausdirektorin der Elisabeth-Stiftung, Bianca Nonnweiler und Marie-Luise Kießig aus dem Direktorium des Marienhaus Klinikums Eifel, Ergotherapeutinnen Nanette Sell und Aga Sesterhenn, Schulleiterin Christine Tholey-Martens, Dozentin Stefanie Sahner-Andler, Auszubildende Celine Willems. Foto: Anke Hub
